Konflikte haben ein Kraftfeld. Das spüren auch Unbeteiligte. Der Streit unter Nachbarn vergiftet die Atmosphäre im ganzen Umfeld. Der Ehekrach eskaliert zum Rosenkrieg und spaltet den Freundeskreis. Das ungelöste Problem, an das sich keiner heranwagt, verdirbt das ganze Klima im Betrieb. Wenn ein Konflikt eskaliert verstärkt sich sein Kraftfeld. Standpunkte verhärten sich. Denken, fühlen und reden wird zunehmend schwarz-weiß. Dann werden „Fakten geschaffen“. Andere werden genötigt, Partei zu ergreifen. Der Gegner wird „bloßgestellt“. Es kommt zu offenen Drohungen und zu Gewalt. Um zu „gewinnen“ werden negative Konsequenzen für sich selbst
in Kauf genommen. Am Ende ein Scherbenhaufen. Die Frage „Wer hat angefangen?“ ist nicht mehr klar zu beantworten. Hier sind zerstörerische Kräfte am Werk, die moralische Maßstäbe irgendwann wirkungslos gemacht haben. Der Weg zurück in die Verantwortung für das eigene Tun Ist mühselig und schmerzhaft.
Es gilt, sich dieser negativen Dynamik frühzeitig zu widersetzen. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden“ - das bedeutet: Dialog statt verhärteter Standpunkte. Zwischentöne statt schwarz-weiß. Taube Ohren für diffamierende Gerüchte. „Wir gehen bis zum äußersten. - Wir reden miteinander. “
Aber es gibt nicht nur die Abwärtsspirale. Es gibt auch eine positive Dynamik. Dabei geht es um die Liebe zu Gott, zu sich selbst und zum Nächsten. „Wer ist dem, der unter die Räuber gefallen ist, der Nächste gewesen?“ - fragt Jesus, als er vom barmherzigen Samariter erzählt hatte. Er verändert damit die Blickrichtung. Er denkt aus der Perspektive des Opfers, das Hilfe erfahren hatte. Aus dieser Perspektive klärt sich, wer und was wichtig ist für zukünftiges Leben. Wer schon einmal fürsorgliche Hilfe erfahren hat, als er unterlegen und ohnmächtig war, hat auch die positive Energie gespürt, die darin liegt. „Überwindet das Böse mit Gutem.“ - das bedeutet: Das Gute sehen und wert schätzen, das mir selbst durch andere widerfahren ist. Die Energie, die darin liegt, wirken lassen. Daraus Dynamik für das eigene Tun gewinnen.
Einen guten Weg durch das Jahr 2011 wünscht Ihnen


Dieter Rothardt