Monatsspruch Mai

"Hallo Oma, erkennst du mich denn nicht?" - So oder ähnlich fangen jene verhängnisvollen Telefongespräche an, mit denen Menschen mit krimineller Energie gutgläubige Ältere um große Geldbeträge betrügen. Immer wenn ich vom sogenannten "Enkeltrick" in der Zeitung lese, wünsche ich mir, dass die älteren Menschen weniger gutgläubig werden.
Als Gemeindepfarrerin habe ich manche atemberaubende Geschichte erzählt bekommen, warum jemand gerade jetzt dringend Bargeld benötigt, das er ganz bestimmt in Kürze zurückzahlen wird. Die wenigsten dieser Storys waren wahr und das Geld kam fast nie zurück.
Im Laufe der Jahre bin ich in diesem Bereich sehr misstrauisch geworden. Leider sind es nicht nur einzelne Menschen, die uns belügen. Oft genug werden wir auch von der Industrie für dumm verkauft. Der Dieselskandal ist nur ein Beispiel dafür. Nein, man sollte wirklich nicht alles glauben, was man so erzählt bekommt! Ein gesundes Misstrauen ist nötig, um sich in unserer Zeit vor Betrug und Fehlinformation zu schützen.
Und trotzdem bin ich davon überzeugt, dass der Glaube die beste Grundlage meines Lebens ist. Denn er gibt mir Halt. Aber das bedeutet nicht, dass ich alles für wahr halte, was ich erzählt bekomme. Es geht nicht darum, unhinterfragt Geschichten hinzunehmen, gegen die sich mein Verstand sperrt.
Christlicher Glaube ist vielmehr eine lebendige Beziehung. Der Monatsspruch aus dem Hebräerbrief umschreibt Glauben als Gottvertrauen. "Gottvertrauen aber ist: Grundlage dessen, was Menschen hoffen, und Beweis von Dingen, die Menschen nicht sehen." (Hebr. 11,1) Gottvertrauen ist in erster Linie eine Sache des Herzens, nicht des Verstandes. Unser Kopf sperrt sich gegenden Gedanken, dass da jemand ist, "der uns den Schatten von der Seele nimmt", wie Adel Tawil singt. Dass da jemand ist, lässt sich nicht naturwissenschaftlich beweisen. Aber wenn wir uns trotzdem für seine Gegenwart öffnen und ihm vertrauen, obwohl wir ihn nicht sehen können, dann verändert sich unser Leben positiv. Dann sind wir von Hoffnung getragen, selbst wenn Schatten auf der Seele liegen.

Julia Holtz

Jahreslosung 2018

"Wat nix kostet, dat kann auch nix sein!" Ein geflügeltes Wort. Es drückt aus: Was es umsonst gibt, das kann auch nicht viel wert sein. Wofür wir nichts investieren müssen, damit kann es auch nicht viel auf sich haben. Und dann auch noch Wasser. Wenn uns hier Champagner angeboten würde oder ein leckerer Rotwein oder wenigstens ein kühles Pils... aberWasser... Alltäglicher geht's doch nicht. Unspektakulärer hat kaum einer je für sich geworben. Die Jahreslosung kommt auf den ersten Blick daher wie der gute alte ärztliche Rat, der uns immer ein bisschen auf den Geist geht: "Trinken Sie ausreichend! Und am besten Wasser!"
Ich werfe einen zweiten Blick auf den Satz. "Den Durstigen geben... von der Quelle." Und frage mich - und Sie: Sind wir eigentlich noch durstig? Dürstet es uns noch - und nicht nur nach einem Getränk, sondern... nach Leben? ... nach Liebe? ... nach Sinn? Wonach - und jetzt rede ich nicht überein Schnitzel mit Pommes - hungert es uns und wonach - und jetzt denkeich nicht an eine eisgekühlte Cola -dürstet es uns?
Gott verteilt nicht beliebig und nicht mit der Gießkanne vom lebendigen Wasser, sondern er verheißt es den Durstigen. Er verheißt es denen, die noch nicht satt und träge und abgebrüht sind. Er verheißt es denen, die sich nicht daran gewöhnen wollen,dass Menschen verdursten in vielen Regionen dieser Welt oder ertrinkena uf ihrer gefährlichen Fahrt übers Wasser. Er gibt es denen, die tatendurstig der Liebe Gottes in dieser Welt eine Chance einräumen. Er gibt es denen, die ausharren bei jenen, die taumeln auf den Durststrecken des Lebens. Lebendiges Wasser ist Lebensmittel für die Seele, Erfrischung für den Geist, Stärkung für die Herzen.
Als Läufer kommt mir unser Leben wie ein langer Lauf vor. Ein langer Lauf zu mir selbst. Ein langer Lauf zu Gott. Auch wenn andere an unserer Seite sind: Laufen müssen wir alleine. Den Weg nimmt uns keiner ab und das Ziel ist weit. Aber Gott ist wie einer der vielen Freiwilligen an den Verpflegungsstationen: Er erwartet uns, wenn wir angelaufen kommen. Schaut uns freundlich an. Ruft uns ein aufmunterndes Wort zu. Und reicht uns einen Becher Wasser umsonst. Köstlich.

Martin Treichel, Landesmännerpfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen

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Sarah Wittfeld
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