Monatsspruch Oktober

"Hör ich das Mühlrad gehen, / ich weiß nicht, was ich will. / Am liebsten will ich sterben. / Dann wär's auf einmal still."(Josef von Eichendorff)
"All mein Begehren": was habe ich nicht schon in meinem Leben alles gewollt. Natürlich träumte ich von der schönsten Frau. Ich wollte beruflich weit kommen und Gutes tun. Am wichtigsten natürlich - die Welt verändern. Was wurde aus meinem Begehren? Ich bin verheiratet. Nicht mit der schönsten Frau der Welt. Aber es fühlt sich gut an. Beruflich habe ich erreicht, was zu erreichen war. Die Welt ist näher dem Abgrund. Was wird unsere Generation den Kindern hinterlassen?
"All mein Begehren" - es hat sich abgeschliffen, zwischen den vielen Kompromissen. Es hat sich im Gefühlshaushalt zwischen den tausenden Rollenerwartungen verheddert. Ist der Friede zwischen Begehren und Erfüllung mittlerweile nur ein fauler? Habe ich vielleicht zu viel begehrt und zu wenig sortiert? Was soll ich jetzt noch begehren, für das letzte Jahrzehnt Berufsarbeit und die vielleicht langen Jahre Altenteil? Was will ich wirklich? Manchmal tatsächlich nur noch das Ende der Fragen und das Ende der Selbstanklage, weil das Begehren so unerfüllt blieb: "... sterben. /Dann wär's auf einmal still." Schwamm drüber. "Herr, du kennst mein Begehren/ und mein Seufzen ist nicht vor dir verborgen." Vor anderen mag ich gut dastehen, zuweilen gar begehrenswert erscheinen. Mir selbst kann ich nichts vormachen. Es kennt sich ja jeder selbst am besten. Und Gott kennt einen noch etwas besser. Der blickt in jeden Winkel, auch in die toten. Völlig ungeniert und ungebeten. Wie unangenehm. Den kriegst du einfach nicht weg, den Gott. Unerschütterlich steht der da im Weg und blickt dich an. Unerschütterlich wohl. Aber nicht ungerührt. Er blickt dich voller Mitgefühl an, voller Wärme und Anteilnahme. Es heißt, als Jesus an das Grab des Lazarus trat und all die enttäuschten Hoffnungen und geplatzten Träume sah, da "gingen ihm die Augen über". Und dann heißt es, trat Jesus an das Grab und rief den Toten heraus: "Lazarus!". Und der Tote kam. Jesus kennt unsere Begehren und hört unser Seufzen. Er hält unseren Grundfrust und unser Gefühlschaos aus. Und obwohl er weiß, wie es um uns steht, kann er mit uns etwas anfangen und ruft uns heraus, dass wir neu zu leben beginnen. Einen Neuanfang, und sei es im Spätsommer des Lebens, im Herbst diesen Jahres, den wünsche ich Ihnen.

Manuel Schilling

Jahreslosung 2018

"Wat nix kostet, dat kann auch nix sein!" Ein geflügeltes Wort. Es drückt aus: Was es umsonst gibt, das kann auch nicht viel wert sein. Wofür wir nichts investieren müssen, damit kann es auch nicht viel auf sich haben. Und dann auch noch Wasser. Wenn uns hier Champagner angeboten würde oder ein leckerer Rotwein oder wenigstens ein kühles Pils... aberWasser... Alltäglicher geht's doch nicht. Unspektakulärer hat kaum einer je für sich geworben. Die Jahreslosung kommt auf den ersten Blick daher wie der gute alte ärztliche Rat, der uns immer ein bisschen auf den Geist geht: "Trinken Sie ausreichend! Und am besten Wasser!"
Ich werfe einen zweiten Blick auf den Satz. "Den Durstigen geben... von der Quelle." Und frage mich - und Sie: Sind wir eigentlich noch durstig? Dürstet es uns noch - und nicht nur nach einem Getränk, sondern... nach Leben? ... nach Liebe? ... nach Sinn? Wonach - und jetzt rede ich nicht überein Schnitzel mit Pommes - hungert es uns und wonach - und jetzt denkeich nicht an eine eisgekühlte Cola -dürstet es uns?
Gott verteilt nicht beliebig und nicht mit der Gießkanne vom lebendigen Wasser, sondern er verheißt es den Durstigen. Er verheißt es denen, die noch nicht satt und träge und abgebrüht sind. Er verheißt es denen, die sich nicht daran gewöhnen wollen,dass Menschen verdursten in vielen Regionen dieser Welt oder ertrinkena uf ihrer gefährlichen Fahrt übers Wasser. Er gibt es denen, die tatendurstig der Liebe Gottes in dieser Welt eine Chance einräumen. Er gibt es denen, die ausharren bei jenen, die taumeln auf den Durststrecken des Lebens. Lebendiges Wasser ist Lebensmittel für die Seele, Erfrischung für den Geist, Stärkung für die Herzen.
Als Läufer kommt mir unser Leben wie ein langer Lauf vor. Ein langer Lauf zu mir selbst. Ein langer Lauf zu Gott. Auch wenn andere an unserer Seite sind: Laufen müssen wir alleine. Den Weg nimmt uns keiner ab und das Ziel ist weit. Aber Gott ist wie einer der vielen Freiwilligen an den Verpflegungsstationen: Er erwartet uns, wenn wir angelaufen kommen. Schaut uns freundlich an. Ruft uns ein aufmunterndes Wort zu. Und reicht uns einen Becher Wasser umsonst. Köstlich.

Martin Treichel, Landesmännerpfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen

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Sarah Wittfeld
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