Monatsspruch Dezember

Eine merkwürdige Erscheinung, Lichtvon oben ... wie soll das gehen? Normalerweise erschient Licht von unten. Der Sonnenaufgang geschieht von ganz unten am Horizont. Bei klarem Wetter zeigt sich zunächst ein orangefarbener Streifen genau da, wo Himmel und Erde sich berühren. Langsam vergrößert er sich und dann kommen helle Strahlen. So ein Aufgang geschieht von unten nach oben!

Nur am 11. August 1999, da war das einmal anders. Da habe ich sie erlebt, wenn auch nur am Rande: eine Sonnenfinsternis. Es war leicht bedeckt hier in Dortmund. Ausgestattet mit Sofi-Brillen und sehr gespannt harrten wir der Dinge. Es war in der Mittagszeit. Plötzlich dämmerte es mitten am Tag. Die Gänseblümchen auf der Wiese schlossen ihre Kelche. Die Vögel hörten auf zu singen. Eine unerhörte Atmosphäre machte sich breit. Die Umgebung tauchte sachte ein in ein ungewöhnliches fast gespenstisches Licht. Es wirkte unecht, wie der Kontrast zwischen Schatten und Licht immer geringer wurde.

Einerseits war da ein großes Staunen. "Guck mal, die Gänseblümchen da!" "Hörmal, die seltsame Stille!"

"Meine" Sonnenfinsternis war die erste in meinem Leben. Möglicherweise die erste und letzte und einzige, die ich - wenn auch nur am Rande - miterlebt habe.Eine Mischung zwischen Staunen und Furcht überkam mich. Unbekanntem gegenüber reagiert das limbische Nervensystem mit Angst. Gut, dass die Großhirnrinde mit Wissen und Reflexion aufwarten kann. Dennoch:"Lieber Gott, bitte mach, dass es wieder hell wird und normal.

"Welch eine Erlösung, dass die Erde sichdoch weiter dreht. Es wurde wieder hell und "normal".

Gott sei Dank.Seit dieser persönlichen Erfahrung haben sich mir die Verse aus dem Evangelium nach Lukas neu erschlossen. Sie erstrahlen in einem anderen Licht. In einem Licht, das ich selbst erlebt habe, ein Licht, das nach einer Sonnenfinsternis die Welt wieder erhellt. Ein Licht, nach dem ich mich sehne. Ob diesen Versen eine ähnliche Erfahrung zugrunde liegt? Auf jeden Fall ist es ein so besonderes Licht, da es von oben kommt. Sicher erstrahlt Licht von oben, zumindest Sonnenlicht. Doch aufgehen tut es von unten. Deshalb erscheint das göttliche Licht so besonders. Es geht auf aus der Höhe, um in die Finsternis zu strahlen. Um Mr. Spock zu zitieren: Faszinierend.

Kerstin Othmer-Haake

JAHRESLOSUNG 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ezechiel 36,26

Mir liegt Widerspruch auf der Zunge. Ein neues Herz geschenkt bekommen und einen neuen Geist - will ich das überhaupt? Brauch ich das? Klar: Es ist wahrhaftig nicht alles toll an mir und nicht alles Gold, was glänzt. Aber: Das bin ich. Das gehört zu mir. Herz und Geist machen mich unverwechselbar und haben aus mir das gemacht, was ich jetzt bin, nach all den Jahren. Mit allen Stärken und allen Schwächen. Mit allen meinen Grenzen und allen meinen Möglichkeiten. Bin ich noch der Alte, wenn alles an mir neu ist?

Mit Skepsis gehe ich also an die neue Jahreslosung heran. Und schlage nach, in welchem Zusammenhang der Vers im Alten Testament steht: Im Jahr 597 vor Christus erobert der babylonische König Nebukadnezar II. Jerusalem und das Königreich Juda. Tausende von Israeliten müssen ihre Heimat verlassen und fortan in Babylon leben. Sie sind verbittert, haben keine Hoffnung, dass es jemals wieder besser wird, sind Leute "mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen" (Ez 2,4). Da spricht Gott durch seinen Propheten zu ihnen: "Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch."

Es geht also nicht um ein individuelles Herz, einen einzelnen Geist. Es geht um die Ermutigung und Erneuerung vieler. Mit einem Wort gegen Resignation und Ermüdung. Einem Wort für Neuanfänge und Aufbrüche. Vielleicht also doch ein gutes Motto für das Jahr 2017. Ein Jahr, in dem wir uns in besonderer Weise an den großen reformatorischen Aufbruch von 1517 erinnern, als ein kleiner Mönch aus Wittenberg die Welt auf den Kopf zu stellen begann, gemeinsam mit vielen anderen Frauen und Männern. Weil er das Alte nicht beim Alten belassen wollte. Weil er für möglich hielt, dass vieles neu werden kann. Weil er sein Herz für Gottes Wort öffnete und seinen Geist für Gottes Liebe. Ezechiel und Luther - zwei Typen gegen Stillstand und Resignation. Zwei Männer, anfechtbar, streitbar, aber gegen jedes träge "weiter so". Zwei, die Herz und Verstand einsetzten im Vertrauen auf Gottes Wegweisung. Das Jahr 2016 war geprägt von vielen Krisen und sehr problematischen Entwicklungen. Insofern braucht unser Land 2017 tatsächlich ein neues Herz, unser Kontinent einen neuen Geist und diese Welt neue, himmlische Inspiration. Die Jahreslosung macht Mut, immer neu nach dem zu fragen, was in dieser Welt neu und anders und besser werden kann durch unseren Einsatz und durch Gottes lebendigen Geist.

Martin Treichel, Landesmännerpfarrer

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Sarah Wittfeld
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