Monatsspruch Februar

Ping! Und wieder meldet sich der Newsticker auf dem Smartphone. EILT! Selbstmordattentat mit vielen Opfern! Neue Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer! Flutkatastrophen, Dürren, Missernten. Ping! So geht es weiter... Flucht und Vertreibung erreichen weltweit unbekannte Größenordnungen, Europa wird zur Festung ausgebaut. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus haben Einzug in die Parlamente gehalten, Armut, vorallem Kinderarmut, nimmt in unserem reichen Land zu, das Klima ändert sich spürbar, ohne dass die Klimapolitik richtig in Schwung kommt. Ping! EILT! Heute ist Erderschöpfungstag, die biologische Tragfähigkeit der Erde ist überschritten! Und wieder: Ping! ... Man könnte darüber irre werden! Und was schreibt Paulus? Diese Leiden der Zeit, die unseren Planeten an den Rand der Katastrophe bringen, sie sollen nicht ins Gewicht fallen? Das, was mich umtreibt, hetzt, empört und frustet - nach Paulus, nicht so wichtig?! Hallo?! Will er, dass ich den Ernst der Lage verdränge? Soll ich mich nach dem deprimierenden Studium der Zeitung am Morgen wieder ins Bett begeben und von einer herrlichen Zukunft träumen - irgendwie, irgendwo,irgendwann? Ich bin überzeugt, dassdieser Zeit Leiden nicht ins Gewichtfallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Während ich mich in Rage schreibe, merke ich, das sich Paulus vielleicht Unrecht tue! Gibt Paulus nicht unserem Leben einen neuen Zielpunkt, bei all den Abwärtsspiralen, die uns die Orientierung rauben? Seine Botschaft ist deutlich: "Auch wenn Ihres nicht sehen wollt: Diese Welt ist nicht am Ende! Ihr Ziel ist nicht Leid, Tod und Untergang. Im Gegenteil: Eine andere Welt ist möglich! Mehr noch! Diese Welt ist euch sogar von Jesus Christus verheißen.Sie kommt bereits auf euch zu! "Wenn ich Paulus so höre, dann sind seine Worte keine billige Vertröstung auf das Jenseits. Sie geben mir neue Hoffnung, Kraft und Mut im Hier und Jetzt. Kraft und Mut, mich dafür zu engagieren,dass Menschen menschenwürdig leben können, dass Frieden möglich ist und die Schöpfung dauerhaft bewahrt wird - so klein mein Beitrag dazu auch sein mag. Nichts ist vergeblich! Ping! macht es wieder: Diesmal in mir. Ich nehme die "guten" Nachrichten wieder wahr, von Menschen, die sich erfolgreich gegen Unterdrückung wehren, von den vielen, die sich für Geflüchtete einsetzen, von der weltweiten Bewegung, die Menschenrechte, Klimaschutz und eine nachhaltige Entwicklung voranbringen. Menschen,die daran glauben, dass diese Welt und die Menschheit nicht am Ende sind.

Klaus Breyer

Jahreslosung 2019

Jahreslosung 2019: "Suche Frieden und jage ihm nach!" Ps 34,15

08. Mai 1945. Der letzte Kriegstag auf deutschem Boden liegt nunmehr bald 75 Jahre zurück. Als ein im Jahr 1968 in Deutschland Geborener habe ich in meinem Leben nicht einen Tag Krieg am eigenen Leib erlebt. Aber weiß doch nur zu gut, dass ich - im Weltmaßstab betrachtet - damit eine absolute Ausnahme bin. An keinem einzigen der etwa 28.000 Tage seit Mai 1945 haben weltweit die Waffen geschwiegen.
Immer neu bewahrheitet sich die Erkenntnis des Schriftstellers Günther Kunert: "Als der Mensch unter den Trümmern seines bombardierten Hauses hervorgezogen wurde, schüttelte er sich und sagte: Nie wieder. Jedenfalls nicht gleich." Und - Gott sei's geklagt- es sind immer wieder und vorallem Männer, die nicht den Frieden, sondern den Krieg suchen, die nicht dem Frieden nachjagen, sondern den Hass säen. Es sind, jahrhundertelang, dann aber auch die Männer selber gewesen, die am stärksten unter dem Krieg gelitten haben. Man ließ sie den "Heldentod" sterben, zurück blieben Söhne ohne Väter. Heute ist auch in Europa, auch in der westlichen Welt, das Risiko eines Krieges so hoch wie lange nicht. Und wieder sind es in erster Linie Männer, die die Konflikte befeuern. Wie kommt die Welt da raus? Und was kann unser Beitrag sein? Vor einiger Zeit stand ich staunend in einem der großen Tagungsräume in Haus Villigst und war umgeben von lauter Menschen, die es angeblich gar nicht gibt - von männlichen Erziehern. Es waren mehrere Dutzend, sie sind alle in Kindertageseinrichtungen tätig und machen dort eine Arbeit, die nicht hoch und wichtig genug eingeschätzt werden kann. Denn es sind nicht zuletzt die Kitas in unserem Land, wo Haltungen und Einstellungen geprägt und Rollenverhalten eingeübt wird. Männliche Erzieher, die den Jungen etwas davon zeigen, wie sie Männer werden können, ohne die Grenzen Anderer zu verletzen, ohne immer auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein, ohne auf das Recht des Stärkeren zu setzen, das sind Schätze einer Gesellschaft und einer Kirche. Denn Frieden fällt nicht vom Himmel, sondern will gelernt sein.
Jeder Tag des neuen Jahres wird uns allen Gelegenheit geben, den Frieden zu suchen. Wie ich rede, wie ich mich im Straßenverkehr bewege, was ich konsumiere, was ich meide, welchen Ideen ich folge, was ich tue und was ich lasse - all das ist nicht egal, nicht gleich-gültig, sondern kann friedensstiftende Wirkung haben. Und was kann besser sein, als einem anderen Menschen am Anfang des neuen Jahres- und alle Tage wieder - zu sagen: "Friede sei mit dir."

Martin Treichel
Landesmännerpfarrer derEvangelischen Kirche von Westfalen

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Sarah Wittfeld
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