Monatsspruch Februar

Vor mir liegt ein Magazin mit demTitel "Buy good stuff - Fair Fashion Shopping Guide Ruhrgebiet". Gutes Zeug, faire Klamotten - immer noch die Ausnahme. Die Regel ist fast fashion: T-Shirts, für die die Näherin18 Cent bekommt. Bei uns im Einzelhandel kosten sie vielleicht 5,-,10,- oder 15,- EURO, je nach Saison. Für uns billig. Von den Näherinnen teuer bezahlt. Mit ihrer Zeit, ihrer Gesundheit, ihrem Leben manchmal sogar. In Kambodscha z.B., wo sehr viele Textilmanufakturen ansässig sind, arbeiten die Menschen in den großen Fabriken, den so genannten Sweatshops oder Ausbeutungsbetrieben, unter verheerenden Bedingungen. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen.

"Ihr seid teuer erkauft. Werdet nicht der Menschen Knechte!" - Wer sagt das den Arbeiterinnen in Kambodscha, und wer befreit sie aus der Knechtschaft?

200.000 Tote in zehn Jahren in Indien. Alles Kleinbauern. Der Grund? Selbstmord. Jährlich stürzen sich tausende Baumwollbauern in denTod. Wie kann es dazu kommen? Die Kleinbauern im sogenannten Selbstmordgürtel in Indien sehen keinen anderen Ausweg. Ihre Schulden sind zu hoch, um sie jemals abbauen zu können. Schuldeneintreiber bedrohen sie. Es sind alles Baumwollbauern, die auf das genveränderte Saatgut von Monsanto Biotech, heute Bayer, gesetzt haben. Das Saatgut, das dreimal so teuer ist wie herkömmliches, erwies sich als Flop. Angepriesen wurde es als resistenter und ertragreicher. Viele haben das geglaubt - und sich hochverschuldet.

Ihr seid teuer erkauft. Werdet nicht der Menschen Knechte! - Und wenn sie tief in der Schuldknechtschaft drinstecken, wer befreit sie dann daraus?

Offiziell ist die Sklaverei lange schon abgeschafft. Aber das 21. Jahrhundert bringt immer neue Geschichten von Sklaverei und Ausbeutung hervor. Auch bei uns. Zwangsprostitution z.B., unwürdigste Arbeitsbedingungen, Suchtverhalten, Verstrickung in Schulden.

Paulus spricht im Brief an die Korinther von der Schuld, die Menschen versklavt. Und von dem Freispruchvon aller Schuld, der teuer erkauft wurde durch den Tod Christi am Kreuz. Dieser Freispruch bleibt nicht ohne Folgen für das tägliche Leben. Er setzt Veränderungs- und Befreiungsprozesse in Gang. Er gibt Kraft, sich zu widersetzen. Mut, sich für das "Gute" einzusetzen. Der durch Christus zur Freiheit befreite Mensch lernt zu unterscheiden zwischen gut und schlecht. Und in der Konsequenz interessiert er sich dann für die Lebensbedingungen seiner Mitmenschen, für die Herkunft seiner Kleidung, für die Produktionsbedingungen seiner Lebensmittel, seines Handys undseines Autos - und kauft  "goodstuff".

Annette Muhr-Nelson
Pfarrerin und Leiterin des Amtes für Mission, Ökumene und Weltverantwortung (MÖWe), Dortmund

Jahreslosung 2020

Jahreslosung 2020: "Ich glaube; hilf meinen Unglauben!" (Markus 9,24)

 

Der Kampf eines Vaters um das Leben seines Kindes - nichts Geringeres ist der dramatische Hintergrund des Jahreslosungs-Satzes. Es ist der Stoßseufzer, das verzweifelte Bekenntnis eines Mannes, der fürchtet, ihm werde das Liebste in seinem Leben genommen. Sein Sohn leidet lebensbedrohlich an einer Form der Epilepsie, und der Vater leidet am Leiden seines Sohnes. Niemand scheint helfen zukönnen. In seiner Verzweiflung wendet sich der Vater an Jesus: "Wenn Du kannst - hilf uns! Erbarm dich unser." Und Jesus sagt: "Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt." Da antwortet der Vater mit diesem Satz: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!"

Mit diesem Bekenntnis ist dieser Vater mir ein ungeheurer Trost. Der Zweifel und der Unglaube gehören mit zum Glauben. Was wäre das für ein Mensch in einer Situation wie dieser Vater, der um seinen Sohn kämpft, was wäre das für ein Mensch, der in einer solchen Situation nicht auch irre würde an seinem Gott, irre würde an seinem Glauben?

Zum Glauben gehören Zweifel. Zweifel entsteht an der Undurchschaubarkeit Gottes und an der Rätselhaftigkeit des Lebens. Wir Menschen sind immer darauf aus, das Ganze verstehen zu wollen: die ganzen Zusammenhänge, die ganzen Hintergründe, die ganze Wahrheit. Aber weil uns dies nicht gelingt, wird aus unseren Fragen bohrender Zweifel. So gehört der Zweifel zum Wesen des Glaubens. Und siehe da: Gott ist wesentlich auch im Zweifel und ganz gewiss bei jedem Zweifler. Der Vater in unserer Geschichte ist ja das beste Beispiel.

"Ich glaube, hilf meinem Unglauben." Das ist die Situation von uns Menschen. "Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt." Das ist die Antwort Gottes. Für Jesus ist Glaube das, was viel selbstverständlicher ist, was dem Menschen viel näher liegt als der Unglaube. Der erste Schrei - ein Neugeborenes schnappt nach Atem, weiß von nichts, aber kann schon darauf bauen: Meine Lungen werden mit Luft, meine Glieder werden mit Leben gefüllt. Die Vögel werfen ihre Jungen aus dem Nest - denn sie werden fliegen. Zutrauen in die Lebenskräfte, Vertrauen, Offenheit, Mitgefühl sind nicht nur die besten, sie sind erste menschliche Regungen. Glauben also macht lebens gewiss - und deshalb lebensfähig. In diesem Glauben, sagt Jesus, ist Gott selbst am Werk. Glaube bedeutet, an Gottes Willen zum Leben teilhaben und durch ihn Leben ermöglichen. Glaube ist das, was das Leben fördert. Und damit auch Widerspruch und Widerstand gegen alles, was das Leben beschädigt und bedroht. 'Bei diesem Kampf', sagt Jesus dem Vater, 'hast du Gott zum Verbündeten.' Gott schenkt das Vertrauen, dass mein Leben im Tiefsten schon gerettet ist. Er schenkt das Vertrauen,dass mir im  Letzten nichts passieren kann. Er schenkt mir das Vertrauen, dass ich im Letzten bei Gott gut aufgehoben bin - an 366 Tagen eines neuen Jahres und weit darüber hinaus.

 

Martin Treichel
Landesmännerpfarrer derEvangelischen Kirche von Westfalen

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Sarah Wittfeld
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