Montasspruch Juli

Das passiert mir kein zweites Mal! Wenn der mir wieder so blöd kommt, dann fackel ich nicht lang! Dem zeig ich, wo der Hammer hängt!" Wenn ich akut sauer bin, komme ich gern auf solche Gedanken. Irgendwie tun sie gut. Das Ventil der Selbstbeherrschung öffnet sich und ich male mir lustvoll aus, wie ich jemanden nach allen Regeln der Kunst ein norde. Ein toller Moment. Er macht klar: Ich setze Grenzen! Ich stehe für mich ein! Ich finde es absolut legitim, sich diese Gedankenspiele zu gönnen. Das Problem ist nur: Es ist nicht nachhaltig. Denn sobald ich ernst mache und den Gedanken Worte folgen lasse, finde ich mich zu 99 Prozent in einem ermüdenden Schlagabtausch mit dem Gegenüber wieder. Meinen Vorwürfen folgen neue Anwürfe auf den Fuß, ich kann die Grenze, die ich setzen will, nicht halten und am Ende ärgere ich mich mehr als vorher.

Genau da hakt Jak 1,19 ein. Sicher, mit seinen drei Imperativen klingt der Vers nicht gerade nach Druckausgleich. Eine weisheitliche Mahnregel eben, deren Gehalt schon das Alte Testament kennt. Sie ist Teil der Sprachethik, an der dem Jakobusbrief so viel liegt. Entschleunigung und Sorgfalt sind seine Devise. Gemeint ist offenbar, dass schnelles, sprich:eindringliches Zuhören hilft, jähzornige Ausbrüche zu verhindern. Für Jakobus steht fest, dass Gottesdienst im Alltag auch heißt, bewusst mit Kommunikation umzugehen. Also Ärger lieber runterschlucken? Nö. Jak 1,19 empfiehlt ja kein schnelles Schweigen. Mich erinnert der Vers eher an die konfliktfreudigste Art zu kommunizieren, die ich kenne: die 'Gewaltfreie Kommunikation'. Auch sie setzt vor das Reden das Hören - einfühlsam mit dem Gegenüber, einfühlsam mit mir selbst. Gewaltfrei kommunizieren heißt, die Spirale negativer Gefühle zu unterbrechen, mich in Ruhe auf die Suche nach den unerfüllten Bedürfnissen zu machen, die einem Konflikt zugrunde liegen (meine und deine!), sie klipp und klar beim zu Namen nennen. Ich habe vielleicht gerade den Wunsch nach Ruhe, du dagegen nach Gesehen und Gehört-werden. Zwei Bedürfnisse, die zutiefst menschlich sind und uns über allen Zorn hinweg miteinander verbinden. Auf welchen Wegen könnten sie beide erfüllt werden, vollständig und ohne faule Kompromisse? Gewaltfreie Kommunikation ist eine Haltung. Sie wird auch eine "Sprache des Lebens" genannt. Das klingt kitschig, meint aber nichts anderes als verstanden zu werden und zu verstehen - etwas, das wir uns alle wünschen, einfach weil wir Menschensind.

Ruth Heß

Jahreslosung 2019

Jahreslosung 2019: "Suche Frieden und jage ihm nach!" Ps 34,15

08. Mai 1945. Der letzte Kriegstag auf deutschem Boden liegt nunmehr bald 75 Jahre zurück. Als ein im Jahr 1968 in Deutschland Geborener habe ich in meinem Leben nicht einen Tag Krieg am eigenen Leib erlebt. Aber weiß doch nur zu gut, dass ich - im Weltmaßstab betrachtet - damit eine absolute Ausnahme bin. An keinem einzigen der etwa 28.000 Tage seit Mai 1945 haben weltweit die Waffen geschwiegen.
Immer neu bewahrheitet sich die Erkenntnis des Schriftstellers Günther Kunert: "Als der Mensch unter den Trümmern seines bombardierten Hauses hervorgezogen wurde, schüttelte er sich und sagte: Nie wieder. Jedenfalls nicht gleich." Und - Gott sei's geklagt- es sind immer wieder und vorallem Männer, die nicht den Frieden, sondern den Krieg suchen, die nicht dem Frieden nachjagen, sondern den Hass säen. Es sind, jahrhundertelang, dann aber auch die Männer selber gewesen, die am stärksten unter dem Krieg gelitten haben. Man ließ sie den "Heldentod" sterben, zurück blieben Söhne ohne Väter. Heute ist auch in Europa, auch in der westlichen Welt, das Risiko eines Krieges so hoch wie lange nicht. Und wieder sind es in erster Linie Männer, die die Konflikte befeuern. Wie kommt die Welt da raus? Und was kann unser Beitrag sein? Vor einiger Zeit stand ich staunend in einem der großen Tagungsräume in Haus Villigst und war umgeben von lauter Menschen, die es angeblich gar nicht gibt - von männlichen Erziehern. Es waren mehrere Dutzend, sie sind alle in Kindertageseinrichtungen tätig und machen dort eine Arbeit, die nicht hoch und wichtig genug eingeschätzt werden kann. Denn es sind nicht zuletzt die Kitas in unserem Land, wo Haltungen und Einstellungen geprägt und Rollenverhalten eingeübt wird. Männliche Erzieher, die den Jungen etwas davon zeigen, wie sie Männer werden können, ohne die Grenzen Anderer zu verletzen, ohne immer auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein, ohne auf das Recht des Stärkeren zu setzen, das sind Schätze einer Gesellschaft und einer Kirche. Denn Frieden fällt nicht vom Himmel, sondern will gelernt sein.
Jeder Tag des neuen Jahres wird uns allen Gelegenheit geben, den Frieden zu suchen. Wie ich rede, wie ich mich im Straßenverkehr bewege, was ich konsumiere, was ich meide, welchen Ideen ich folge, was ich tue und was ich lasse - all das ist nicht egal, nicht gleich-gültig, sondern kann friedensstiftende Wirkung haben. Und was kann besser sein, als einem anderen Menschen am Anfang des neuen Jahres- und alle Tage wieder - zu sagen: "Friede sei mit dir."

Martin Treichel
Landesmännerpfarrer derEvangelischen Kirche von Westfalen

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Sarah Wittfeld
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