Montasspruch August

Barfuß sollen sie gehen, mit nur einem Hemd. Als Reich-Gottes-Arbeiter*innen werden sie verdienen, was sie brauchen. Sie sollen Kranke heilen, Tote aufwecken, Aussätzige rein machen und böse Geister austreiben. Ihre Botschaft ist kurz: das Himmelreich ist nahe. Zügig sollen sie gehen, sich nicht aufhalten mit Höflichkeiten. Wenn sie nicht willkommen sind, sollen sie weitergehen, ohne Friedensgruß; den Staub von Füßen und Kleidung klopfen und weiter. Klar der Auftrag. Unmissverständlich die Rahmenbedingungen. Eindeutig die Botschaft. In der Hand haben sie nichts, im Kopf und im Herzen die Befähigung, das Empowerment, durch Jesus selbst. Mission in der Nachfolge - Nachfolge als Mission: Und wir? Sie? Ich? Eingebunden in den Alltag, in berufliche und familiäre Verpflichtungen, ins Ehrenamt, eng verbunden mit den Menschen, die wir lieben, die uns brauchen, ist es da nicht genug, wenn wir unseren Alltag mit Verantwortungsbewusstsein und Mitleidensfähigkeit und vielleicht noch Spaß bestehen, und dann noch Zeit für - ja was eigentlich? Nachfolge? Reich-Gottes-Arbeit? Große Worte. Vielleicht müssen wir den Satz gar nicht so schnell auf uns beziehen. Schließlich geht es nicht um uns in der Kirche, nicht um die Männer- oder Frauenarbeit. Es geht um das Reich Gottes. Vorsicht also, vor schlechtem Gewissen, vor protestantischer Niedergeschlagenheit, nach dem Motto: ja damals, aber heute: "Kommunikation des Evangeliums"in Zeiten der Digitalisierung und... .

Es geht vielleicht heute - wie damals?- um die Frage: was brauchen Menschen, damit ihre Hoffnung Nahrung bekommt auf ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit; auf ein Ende der Einsamkeit, der Überforderung, der Orientierungslosigkeit. Vielleicht darum: mir, uns selbst ein Bild vom Reich Gottes zu erhalten, neu zu entwerfen und anderen zu zeigen: ein Bild von der Gemeinschaft der Verschiedenen an einem Tisch; ein Bild von dem Platz, an dem alle von wenig satt werden - ein Zielbild. Denn eins bleibt: Gott hat damals wie heute keine anderen, die zu den Menschen geschickt werden können als die, die da sind - die Begeisterten ebenso wie die Zweifelnden, die Mutigen und Kreativen ebenso wie die Zaghaften. Und schließlich hat Jesus auch Judas gesandt.

Angelika Weigt-Blätgen

Jahreslosung 2019

Jahreslosung 2019: "Suche Frieden und jage ihm nach!" Ps 34,15

08. Mai 1945. Der letzte Kriegstag auf deutschem Boden liegt nunmehr bald 75 Jahre zurück. Als ein im Jahr 1968 in Deutschland Geborener habe ich in meinem Leben nicht einen Tag Krieg am eigenen Leib erlebt. Aber weiß doch nur zu gut, dass ich - im Weltmaßstab betrachtet - damit eine absolute Ausnahme bin. An keinem einzigen der etwa 28.000 Tage seit Mai 1945 haben weltweit die Waffen geschwiegen.
Immer neu bewahrheitet sich die Erkenntnis des Schriftstellers Günther Kunert: "Als der Mensch unter den Trümmern seines bombardierten Hauses hervorgezogen wurde, schüttelte er sich und sagte: Nie wieder. Jedenfalls nicht gleich." Und - Gott sei's geklagt- es sind immer wieder und vorallem Männer, die nicht den Frieden, sondern den Krieg suchen, die nicht dem Frieden nachjagen, sondern den Hass säen. Es sind, jahrhundertelang, dann aber auch die Männer selber gewesen, die am stärksten unter dem Krieg gelitten haben. Man ließ sie den "Heldentod" sterben, zurück blieben Söhne ohne Väter. Heute ist auch in Europa, auch in der westlichen Welt, das Risiko eines Krieges so hoch wie lange nicht. Und wieder sind es in erster Linie Männer, die die Konflikte befeuern. Wie kommt die Welt da raus? Und was kann unser Beitrag sein? Vor einiger Zeit stand ich staunend in einem der großen Tagungsräume in Haus Villigst und war umgeben von lauter Menschen, die es angeblich gar nicht gibt - von männlichen Erziehern. Es waren mehrere Dutzend, sie sind alle in Kindertageseinrichtungen tätig und machen dort eine Arbeit, die nicht hoch und wichtig genug eingeschätzt werden kann. Denn es sind nicht zuletzt die Kitas in unserem Land, wo Haltungen und Einstellungen geprägt und Rollenverhalten eingeübt wird. Männliche Erzieher, die den Jungen etwas davon zeigen, wie sie Männer werden können, ohne die Grenzen Anderer zu verletzen, ohne immer auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein, ohne auf das Recht des Stärkeren zu setzen, das sind Schätze einer Gesellschaft und einer Kirche. Denn Frieden fällt nicht vom Himmel, sondern will gelernt sein.
Jeder Tag des neuen Jahres wird uns allen Gelegenheit geben, den Frieden zu suchen. Wie ich rede, wie ich mich im Straßenverkehr bewege, was ich konsumiere, was ich meide, welchen Ideen ich folge, was ich tue und was ich lasse - all das ist nicht egal, nicht gleich-gültig, sondern kann friedensstiftende Wirkung haben. Und was kann besser sein, als einem anderen Menschen am Anfang des neuen Jahres- und alle Tage wieder - zu sagen: "Friede sei mit dir."

Martin Treichel
Landesmännerpfarrer derEvangelischen Kirche von Westfalen

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Sarah Wittfeld
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