Monatsspruch August

"... und dann bremste er das Bobbycar abrupt ab, streckte die Hände nachoben, sang: 'Gottes Liebe wunderbar'- und im Halbkreis führte er die Hände zum Lenkrad zurück und raste weiter. "Das ist der O-Ton einer jungen Mutter, die mit ihrem Sohn regelmäßig den MINI-Gottesdienst besuchte. Jeder Gottesdienst endete mit dem Lied "Gottes Liebe ist so wunderbar" und mit dem Segen.

"Frau Pfarrerin, können wir wohl 'Ich bete an die Macht der Liebe' mal im Gottesdienst singen? Ich weiß, man singt es ja heute nicht mehr so. Aber ich verbinde so viel mit dem Lied ...." Das ist der O-Ton einer alten Frau, die regelmäßig zum Sonntagsgottesdienst kam.

Beide Lieder singen in je eigener Art von der Liebe. Nicht von der menschlichen, sondern von der Liebe Gottes bzw. der Liebe Jesu.

"Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm." Dieser Vers aus dem 1. Brief des Johannes ist mir bei Trauungen, Taufen, Konfirmationen und Beerdigungen nach wie vor als einer der am häufigsten als Leitspruch gewünschten Bibeltexte begegnet. In Kindheit und Alter ebenso wie an wichtigen Lebensstationen auf dem Weg zwischen Wiege und Bahre scheint Menschen die Vergewisserung der Liebe Gottes wichtig zu sein. Immer wieder, immer wieder neu. Bei Kirchentreuen ebenso wie bei Gemeindegliedern, die sich eher am Rande der kirchlichen Gemeinschaft bewegen. Das ist für mich wunder-bar. Und etwas anders als die Rede vom "lieben" Gott.

Die Liebe Gottes hat ihre Vollendung ausgerechnet am Kreuz gefunden und gerade so die Mächte des Todes überwunden. Irgendwie paradox. Kaum zu glauben. Und doch ist es gerade diese Botschaft, die Zeiten und Generationen überdauert. Gottes Liebe:"so hoch, was kann höher sein; so tief, was kann tiefer sein; so weit, was kann weiter sein - so wunderbar groß".Und offenbar wohnt ein Sehnen tief in uns Menschen nach dieser Liebe. Ich hoffe darauf, dass dieses Sehnen so wunderbar groß ist, dass es Zweifel und Enttäuschungen überdauert - und dass es eine Resonanz bei Gott findet. "Gottes Liebe wunderbar!"

Helga Wemhöner

Jahreslosung 2018

"Wat nix kostet, dat kann auch nix sein!" Ein geflügeltes Wort. Es drückt aus: Was es umsonst gibt, das kann auch nicht viel wert sein. Wofür wir nichts investieren müssen, damit kann es auch nicht viel auf sich haben. Und dann auch noch Wasser. Wenn uns hier Champagner angeboten würde oder ein leckerer Rotwein oder wenigstens ein kühles Pils... aberWasser... Alltäglicher geht's doch nicht. Unspektakulärer hat kaum einer je für sich geworben. Die Jahreslosung kommt auf den ersten Blick daher wie der gute alte ärztliche Rat, der uns immer ein bisschen auf den Geist geht: "Trinken Sie ausreichend! Und am besten Wasser!"
Ich werfe einen zweiten Blick auf den Satz. "Den Durstigen geben... von der Quelle." Und frage mich - und Sie: Sind wir eigentlich noch durstig? Dürstet es uns noch - und nicht nur nach einem Getränk, sondern... nach Leben? ... nach Liebe? ... nach Sinn? Wonach - und jetzt rede ich nicht überein Schnitzel mit Pommes - hungert es uns und wonach - und jetzt denkeich nicht an eine eisgekühlte Cola -dürstet es uns?
Gott verteilt nicht beliebig und nicht mit der Gießkanne vom lebendigen Wasser, sondern er verheißt es den Durstigen. Er verheißt es denen, die noch nicht satt und träge und abgebrüht sind. Er verheißt es denen, die sich nicht daran gewöhnen wollen,dass Menschen verdursten in vielen Regionen dieser Welt oder ertrinkena uf ihrer gefährlichen Fahrt übers Wasser. Er gibt es denen, die tatendurstig der Liebe Gottes in dieser Welt eine Chance einräumen. Er gibt es denen, die ausharren bei jenen, die taumeln auf den Durststrecken des Lebens. Lebendiges Wasser ist Lebensmittel für die Seele, Erfrischung für den Geist, Stärkung für die Herzen.
Als Läufer kommt mir unser Leben wie ein langer Lauf vor. Ein langer Lauf zu mir selbst. Ein langer Lauf zu Gott. Auch wenn andere an unserer Seite sind: Laufen müssen wir alleine. Den Weg nimmt uns keiner ab und das Ziel ist weit. Aber Gott ist wie einer der vielen Freiwilligen an den Verpflegungsstationen: Er erwartet uns, wenn wir angelaufen kommen. Schaut uns freundlich an. Ruft uns ein aufmunterndes Wort zu. Und reicht uns einen Becher Wasser umsonst. Köstlich.

Martin Treichel, Landesmännerpfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen

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Sarah Wittfeld
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